„Das war große Kunst“ – Nachruf auf unseren Fotografen Roland Bauer (1950–2026)
Aktualisiert: vor 1 Tag
Von
Andreas Harthan

Hohenlohe
Wenn Roland Bauer fotografiert hat, war das große Kunst. Bauer wurde in Stuttgart geboren, hat in Dortmund Fotodesign studiert, und schon vor Jahrzehnten in der Abgeschiedenheit des Weilers Winterberg bei Braunsbach seine Heimat gefunden. Er gehörte zu den renommiertesten Künstlern in Hohenlohe. Einblicke in das breitgefächerte Lebenswerk des Fotografen, der am 9. August einer schweren Krankheit erlegen ist, gewährt eine Ausstellung in Schwäbisch Hall.
Faszination fürs Handwerk
Der junge Roland Bauer, der sich auf Drängen des Vaters beim Bosch zum Elektromechaniker ausbilden ließ, spürte früh, dass das Leben in der Großstadt und das Arbeiten in der Fabrik nicht sein Leben sein sollte. Er spürte aber auch, dass ihn das Handwerk faszinierte. Schon als Jugendlicher hatte er sich einen Fotoapparat gekauft. Als junger Mann ging er nach Dortmund, um dort Fotodesign zu studieren und landete auf der Suche nach einem Thema für seine Abschlussarbeit 1978 in dem nur wenige Häuser umfassenden Weiler Winterberg in einem Seitental des Kochers. In einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung war das Sterben von Dörfern in Hohenlohe dokumentiert. Bauer wollte dieses Thema zu seinem machen.
Längst vergangene Zeiten
Roland Bauer fotografierte von 1978 bis 1980 den Alltag des betagten Geschwisterpaares Kathe und Gottfried Wendel. Es entstanden Schwarz-Weiß-Bilder von einer untergehenden Zeit, einer erlöschenden Welt. Fotos, die noch heute Gänsehaut verursachen und wovon einige derzeit im Hällisch-Fränkischen Museum bewundert werden. können. Mit dieser Fotoreihe katapultierte sich Bauer auf Anhieb in die Elite der Fotografen. Sie wurde 1983 mit dem Kodak-Fotobuchpreis gewürdigt. Roland Bauer hatte sein Thema gefunden, das ihn nie wieder losließ. Nicht nur in Winterberg, auch in anderen abgeschiedenen Dörfern in Hohenlohe und sogar in Japan fand er alte Handwerker und Werkstätten, die Zeugnis ablegten von aussterbenden Berufen, von einer vergehenden Welt. Er war nicht auf schnelle Ergebnisse aus, er ließ sich und den Menschen, die er fotografieren wollte, Zeit. So gelangen ihm Fotos, die zu Ikonen wurden und die im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind.
Für Würth und Christo
In Winterberg mietete er erst ein altes Häuschen und kaufte es dann. Mit Ehefrau Andrea und den beiden Töchtern führte er ein genauso einfaches, karges Leben. Auch später, als er aus aller Welt Aufträge bekam, als er für Jeanne-Claude und Christo fotografierte (Reichstagsverhüllung) und für den Würth-Konzern unterwegs war, blieb er ein Winterberger mit allen Entbehrungen.
Roland Bauer wusste, dass der Kampf gegen den Krebs vergeblich sein würde, aber er hat nie mit diesem Schicksal gehadert. Werden und Vergehen – in diesem Kreislauf der Natur fühlte er sich stets geborgen in all den unterschiedlichen Lebenssituationen.


