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Winfried Hermann verabschiedet sich nach 15 Jahren Verkehrspolitik

vor 10 Minuten
2 Min. Lesezeit

Fünfzehn Jahre lang hat Winfried Hermann die Verkehrspolitik Baden-Württembergs geprägt. Nun geht der erste grüne Verkehrsminister Deutschlands in den politischen Ruhestand. Sein Molino-Buch Und alles bleibt anders liest sich damit auch als Vorgeschichte einer ungewöhnlich langen Amtszeit.



Verkehrspolitik begleitet jeden Tag. Sie zeigt sich im Zug, der pünktlich kommt oder ausfällt, im Radweg, der plötzlich endet, in der Baustelle vor der Haustür und in der Frage, wie viel Platz das Auto in unseren Städten künftig haben soll. Winfried Hermann hat diese Konflikte fünfzehn Jahre lang als Verkehrsminister von Baden-Württemberg verhandelt.


Ende April wurde der 76-Jährige bei einem Festakt in der Stuttgarter Staatsgalerie verabschiedet. Weggefährten blickten auf eine Amtszeit zurück, die 2011 mit dem ersten grün geführten Verkehrsministerium Deutschlands begann. Damals befürchteten manche, eine grüne Verkehrspolitik werde sich gegen das Autoland Baden-Württemberg richten. Hermann setzte dagegen auf einen Umbau, der Bus, Bahn und Fahrrad stärken und zugleich den Wandel zum emissionsfreien Auto begleiten sollte.


Vom Kritiker zum Gestalter

Besonders deutlich wurde dieser Rollenwechsel bei Stuttgart 21. Hermann war als Kritiker des Projekts angetreten. Nach dem verlorenen Volksentscheid musste er als Minister mit einem Vorhaben umgehen, das er politisch weiterhin skeptisch sah. Aus Opposition wurde Verantwortung für Verbesserungen, Anschlüsse und die Funktionsfähigkeit des künftigen Bahnknotens. Der Konflikt verschwand nicht, aber die Aufgabe änderte sich.


Auch an anderen Stellen bedeutete Regieren, Ziele und Möglichkeiten immer wieder neu abzugleichen. Das Land baute den Schienenpersonennahverkehr aus, führte neue Angebotsmarken ein, förderte Radschnellverbindungen und investierte in Ladeinfrastruktur. Zugleich blieben Straßenbau, Sanierungsbedarf und die Zukunft der Automobilindustrie Teil der täglichen Arbeit. Nachhaltige Mobilität war unter Hermann kein einzelnes Verkehrsmittel, sondern eine Auseinandersetzung mit Zielkonflikten.

Bei seinem Abschied sprach Hermann ungewöhnlich offen über die eigene Lernkurve. Minister müsse man erst lernen, sagte er. Am Anfang habe er den Mund ziemlich voll genommen. Der Satz passt zu einer Amtszeit, in der aus einem streitbaren Verkehrspolitiker ein pragmatischer Gestalter wurde, ohne dass die ursprünglichen Ziele verschwanden.


Eine kleine Geschichte der Mobilität

In seinem bei Molino erschienenen Buch Und alles bleibt anders, das inzwischen als Taschenbuch vorliegt, verbindet Hermann die Geschichte von Bahn, Auto, Fahrrad und Fußverkehr mit seiner eigenen Biografie. Er erzählt von einer Kindheit nahe dem Rottenburger Güterbahnhof, von der frühen Faszination für Mobilität und von seinem Weg in die Politik. Der Untertitel Meine kleine Geschichte der Mobilität ist bewusst doppeldeutig. Es geht um persönliche Erfahrungen und um die große Veränderung unserer Art, unterwegs zu sein.


Hermanns politische Bilanz bleibt Gegenstand der Debatte. Zu ihr gehören sichtbare Fortschritte bei Bahn und Radverkehr ebenso wie offene Baustellen, Konflikte um Stuttgart 21 und die weiterhin schwierige Klimabilanz des Verkehrs. Gerade deshalb lohnt der Rückblick: Er zeigt, warum Veränderung in diesem Bereich selten geradlinig verläuft. Ganz aus dem politischen Leben will Hermann nicht verschwinden. Nach dem Abschied kündigte er an, sich weiter für Klima, Frieden und Demokratie einzusetzen. Mehr Zeit soll zugleich für Familie, Kultur und Sport bleiben. Der Titel seines Buchs behält also recht: Vieles ändert sich und manches bleibt.

 
 
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