Graf-Gottfried-Preis für Walter Ludwig Strohmaier
Der Molino Verlag gratuliert seinem Autor Prof. Dr. Dr. Walter Ludwig Strohmaier zum Graf-Gottfried-Preis 2026. Ausgezeichnet wurde seine historische Forschungsarbeit „Wasenmeister und Scharfrichter in Limpurg“, die nun im Molino Verlag erschienen ist.
Mit dem Graf-Gottfried-Preis würdigen die Stadt Gaildorf und die Graf von Pückler und Limpurg’sche Wohltätigkeitsstiftung wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte des Limpurger Landes. Strohmaier erhielt die Auszeichnung für seine Bachelorarbeit, die er im Rahmen seines Geschichtsstudiums an der Universität Bamberg verfasst hat. Der frühere Chefarzt für Urologie am Klinikum Coburg widmete sich nach seiner medizinischen Laufbahn einem neuen Forschungsgebiet.
Von Henkern, Abdeckern und gesellschaftlichen Außenseitern
Was genau machte eigentlich ein Scharfrichter? Und welche Aufgaben hatte ein Wasenmeister? Diesen heute weitgehend vergessenen Berufen widmet sich Walter Ludwig Strohmaier in seiner Untersuchung über die frühere Reichsgrafschaft Limpurg, zu der unter anderem Gaildorf, Obersontheim und Welzheim gehörten.
Scharfrichter waren für die Vollstreckung gerichtlicher Strafen zuständig. Wasenmeister, auch Abdecker genannt, kümmerten sich vor allem um die Entsorgung verendeter Tiere. Doch ihre Aufgaben waren vielfältiger: Sie versorgten die herrschaftlichen Jagdhunde und verfügten häufig über medizinische Kenntnisse, mit denen sie Menschen und Tiere behandelten. In Limpurg waren die Tätigkeiten von Wasenmeistern und Scharfrichtern eng miteinander verbunden.
Obwohl beide Berufsgruppen wichtige Aufgaben für das Gemeinwesen übernahmen, standen sie gesellschaftlich am Rand. Sie galten als „unehrlich“ – eine damalige soziale Einstufung, die nichts mit ihrer persönlichen Rechtschaffenheit zu tun hatte. Sie waren mit Vorurteilen und Einschränkungen konfrontiert, die auch ihre Familien betrafen.
Anhand zahlreicher historischer Dokumente zeigt Strohmaier jedoch, dass die Wirklichkeit differenzierter war. Die Angehörigen dieser Berufsgruppen waren keineswegs vollständig von der übrigen Bevölkerung ausgeschlossen. Sie unterhielten vielfältige wirtschaftliche, familiäre und persönliche Beziehungen. So gelang es beispielsweise einem Wasenmeister im Jahr 1623, aufgrund seiner medizinischen Fähigkeiten offiziell von seinem gesellschaftlichen Makel befreit zu werden.
Strohmaier zeichnet damit ein anschauliches Bild des Alltags in der Frühen Neuzeit. Seine Untersuchung erzählt nicht nur von Strafjustiz und gesellschaftlicher Ausgrenzung, sondern auch von Familien, Berufen, wirtschaftlichen Verhältnissen und den sozialen Regeln einer vergangenen Welt.
Zweiter Band der „Forschungen aus Württembergisch Franken“ bei Molino
Die ausgezeichnete Arbeit erscheint als Band 57 der wissenschaftlichen Reihe „Forschungen aus Württembergisch Franken“, herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken und dem Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein.
Wir freuen uns, mit dieser Veröffentlichung bereits den zweiten Band der traditionsreichen Forschungsreihe im Molino Verlag herausbringen zu dürfen und damit einen Beitrag zur Erforschung und Vermittlung unserer regionalen Geschichte zu leisten.
Walter Ludwig Strohmaier gratulieren wir herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung!


