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Unübersehbar – Mit Isabell Rathgeb zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung

Aktualisiert: vor 3 Tagen

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Als kurz vor Beginn des Abends die Teilnehmerliste die Marke von hundert Anmeldungen überschritt, war klar: Dieses Thema trifft einen Nerv. Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung kamen Frauen und Männer aus ganz Deutschland online zusammen, um gemeinsam mit Isabel Rathgeb über ihr Buch „Unübersehbar“ zu sprechen und darüber, was persönlicher Erfolg im eigenen Leben eigentlich bedeutet. Der Abend wurde von Dorothea Mutschler und Verleger Dr. Matthias Slunitschek moderiert.


Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich weibliche Führungsstärke, Lebensgestaltung und Sichtbarkeit verbinden lassen. Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, dass es dabei um weit mehr ging als um Karriereleitern oder abstrakte Führungstheorien. Es ging um Biografien, um innere Hürden, um strukturelle Grenzen.


Vor allem geht es um den Moment, in dem Menschen beginnen, sich selbst in den Mittelpunkt ihres eigenen Lebensentwurfs zu stellen.


Was ist Erfolg? Ist es eine bestimmte Position, ein Titel auf der Visitenkarte, ein bestimmtes Gehalt? Oder liegt Erfolg eher in einer inneren Stimmigkeit, dem Gefühl, mit den eigenen Werten, Wünschen und Zielen im Einklang zu leben? Rathgeb und Mutschler waren sich einig: Erfolg ist keine äußerlich klar messbare Größe, sondern ein Zustand, in dem Berufsleben, Privates und persönliche Überzeugungen nicht ständig gegeneinander kämpfen müssen. Erfolg, so der Tenor, beginnt dort, wo Menschen sich trauen, das eigene Leben aktiv zu gestalten statt nur auf Erwartungen zu reagieren.

Eng damit verknüpft war die Frage nach Sichtbarkeit. Isabel Rathgeb berichtete von Frauen, die fachlich hervorragend sind, in Gremien, Projekten oder Unternehmen viel bewegen, deren Leistung aber kaum sichtbar wird, weil sie nicht gelernt haben, sich selbstbewusst zu zeigen. Sichtbar werden, so machte sie deutlich, bedeutet nicht, sich in den Vordergrund zu drängen oder eine Rolle zu spielen, die nicht zur eigenen Persönlichkeit passt. Es bedeutet, das eigene Können zu benennen, die eigene Geschichte zu erzählen und nicht automatisch einen Schritt zurückzuweichen, wenn andere nach vorne gehen. Sichtbarkeit ist in diesem Sinne nicht bloße Selbstdarstellung, sondern Voraussetzung dafür, dass Kompetenzen gesehen, gehört und nachgefragt werden.


Im Verlauf des Abends entstand eine lebhafte Diskussion darüber, ob es überhaupt so etwas wie eine „weibliche“ und eine „männliche“ Perspektive auf Erfolg gibt. Frauen schilderten den Spagat zwischen Beruf, Familie, Care-Arbeit und den eigenen Träumen – ein Spannungsfeld, in dem die eigenen Wünsche oft an letzter Stelle stehen. Aber wie müssen Organisationen, Unternehmen und Institutionen aufgestellt sein, damit Vereinbarkeit von Familie und Karriere wirklich möglich ist? Wie können Führungsrollen gedacht werden, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen und nicht nur ein einziges, traditionelles Karrierebild reproduzieren?


Häufig laufe es, so Isabell Rathgeb, auf die Frage nach dem richtigen Moment heraus. Der berühmte „richtige Zeitpunkt“ ist selten ein Datum im Kalender, sagte sie sinngemäß, sondern ein innerer Entschluss. Es braucht nicht den radikalen Bruch, nicht zwingend die Kündigung oder den kompletten Neuanfang über Nacht. Oft ist es ein erster kleiner Schritt, der alles verändert. Psychologisch betrachtet liegt in diesem „Starten“ ein großer Moment: Erfolg beginnt nicht mit dem perfekten Plan, sondern mit der Entscheidung, loszugehen, auch wenn noch nicht alle Fragen beantwortet sind.

So kristallisierte sich im Laufe des Abends ein Wort heraus, das immer wieder fiel und zum heimlichen Motto der Veranstaltung wurde: machen. Machen statt endlos planen. Machen statt auf perfekte Bedingungen zu warten. Machen trotz Unsicherheit, trotz Zweifeln, trotz der Stimme im Kopf, die sagt, man müsse erst noch dies und jenes erledigen, bevor man sich selbst ernst nehmen dürfe. „Machen“ war dabei keineswegs als blinder Aktivismus gemeint. Gemeint war ein bewusstes, eigenverantwortliches Handeln. Nicht irgendwann, nicht später, sondern jetzt. Und genau das war die große Ermutigung des Abends!


 
 
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