Das Buch zur Landtagswahl – Gabriele Renz über „Bregger“
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Mit „Bregger“ blickt Gabriele Renz hinter die Kulissen der Landespolitik. Nach ihrem Roman „Der Beamte Wieler“ sucht auch ihr neuer Roman nach den Funktionsweisen von Macht, nach dem reflexhaften Opportunismus und nach dem, was Politik mit Menschen macht. Und das Gute: „Bregger“ ist von einer geschrieben, die das Geschäft kennt.
Was wollten Sie mit Bregger literarisch aufdecken?
Aufdecken klingt nach Kriminalfall. Und das trifft es auch. Mir geht es darum, den Vorhang des oft zur Schau gestellten Polit-Theaters zu lüften und zu zeigen, was Politiker:innen antreibt und welchen Typus es in die Politik zieht.
Wie viel Realität steckt in Ihrer Fiktion? Und wie viel Satire?
Jede Satire funktioniert nur, wenn sich die humorvolle Überspitzung auf einen wahren Kern bezieht. Sonst wäre es Slapstick. Von Ionesco stammt der Satz „Nur das Lachen kann uns die Kraft geben, die Tragödie der Existenz zu ertragen“. Das ist die Antwort.
Ihr Held ist unsympathisch. Muss man als Autorin keine Sympathie für seine Figuren empfinden?
Ich kann auch Sympathie für einen Idioten empfinden. Als Autorin will ich die Figur fassen, begreifen, ihre Psyche verstehen. Bregger ist nicht unsympathisch, er ist speziell, wie die Schweizer sagen, aber trotzdem auf eine Art typisch: ein kleines Würstchen, das davon träumt, ein T-Bone-Steak zu sein. Letztlich eine getriebene, armselige Gestalt.
Ihr Roman zeigt, wie dünn die Linie zwischen Idealismus und Machtgier ist. Gibt es in der Politik noch Platz für Moral?
Es gibt sie sicher, die guten und, ich sag’ mal: naiven Politiker, die etwas bewirken wollen. Bernie-Sanders-Typen. Aber viele platzen doch fast vor Eitelkeit und Wichtigtuerei. Je länger sie im politischen Betrieb sind, desto mehr. Da geht es irgendwann fast nur noch um Status und Machterhalt.
Was haben Sie nach drei Jahrzehnten im Politikbetrieb über Menschen gelernt?
Der Homo politicus, der das Ganze im Blick hat, ist vom Aussterben bedroht. Politik ist ein knallhartes, extrem hierarchisches und gleichzeitig oft enttäuschend banales Geschäft. Der Politikbetrieb verändert Menschen, und meist nicht zum Guten. Das liegt auch an der Oberflächlichkeit unserer Zeit, die die markigen Großsprecher durch Aufmerksamkeit belohnt.
Drei Schnellfragen – bitte in einem Wort:
Macht oder Schwäche? Macht
Schreiben oder Schweigen? Schreiben
Bregger oder Wieler? Bregger


