Heimat, Schuld und Erinnerung – Nicole Krieg im Interview zu ihrem Roman „Eggerhof“
- 10. Apr.
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In Eggerhof entfaltet Nicole Krieg eine Familiengeschichte voller Geheimnisse, die in der Nachkriegszeit wurzelt und bis in die Gegenwart reicht. Ein Roman über Erinnerung, Schweigen und den Versuch, sich selbst zu verstehen.
Frau Krieg, was hat Sie dazu bewegt, Ihre Geschichte ausgerechnet auf einem abgelegenen Hof spielen zu lassen?
Die einsamen Gehöfte waren sehr häufig auf der Schwäbischen Alb. Selbst heute gibt es noch einige wenige. Für Viehhaltung und Felderbewirtschaftungen waren sie ideal. Für Kinder, die zur Schule mussten, hingegen nicht. Sie liefen weite Strecken bei jedem Wetter, oft ohne Schuhe oder in schlechtem Schuhwerk.
Ihr Roman atmet eine dichte Atmosphäre des Verschweigens. Wie nah was Ihnen dieses Milieu beim Schreiben?
Ich denke, jede Familie, jedes soziale Gefüge, hat ihre Geheimnisse, ihr Unausgesprochenes. Auch meine. Daher kann ich mich sehr gut in diese Situation einfühlen.
Viele Szenen wirken beinahe dokumentarisch. Haben Sie auf reale Vorbilder zurückgegriffen?
Ja, zum Teil. Ich habe Gespräche geführt, aber auch Recherchen über die Zeit angestellt. Vieles ist jedoch ausgedacht. Mir ging es vor allem um das Innenleben, das Fühlen der Personen.
Warum spielt das Ländliche in Ihrem Roman eine so zentrale Rolle, als Ort der Enge oder der Wahrheitssuche?
Weder noch. Der Hof ist das Ort des Geschehens, das Heim der Familie Kolb, ihr Lebensmittelpunkt.
Wie reagieren Leserinnen und Leser auf die Härte mancher Passagen? Gibt es Grenzen des Zumutbaren für Sie?
Die Reaktionen der Leser:innen sind sehr positiv. Die Älteren erzählen oft, dass sie Ähnliches erlebt haben. Den Jüngeren wird bewusst, wie viel Glück sie haben, in der heutigen Zeit aufgewachsen zu sein, und dass es gar nicht weit her ist, dass die Welt noch eine ganz andere war. Sie verstehen manches Verhalten und Denken ihrer Eltern und Großeltern besser.
In der Kunst sollte es keine Grenzen des Zumutbaren geben. Die Zeit war hart und das wollte ich auch so aufschreiben.
Drei Schnellfragen – bitte in einem Wort:
Dorf oder Stadt? Mittelgroße Stadt
Familiengeheimnis oder Neubeginn? Neubeginn
Schreien oder Schweigen? Erzählen


