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Zweifel an der Menschlichkeit – Helmuth Boeger im Interview zu „Elias“

  • vor 12 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

In „Elias“ entwirft Helmuth Boeger eine Zukunftsvision, die Technik, Ethik und Emotionen miteinander verknüpft. Ein Roman über künstliche Intelligenz, Verantwortung und das, was uns als Menschen ausmacht. Cool!


Herr Boeger, Ihr Roman spielt in der Zukunft. Warum reizt Sie der Blick in die Zukunft mehr als der in die Vergangenheit?

Das ist, so denke ich, keine Frage des Anreizes, schließlich sind ja auch Romane, die in der Vergangenheit oder Gegenwart spielen, Fiktion. Als ich mit ELIAS begann, wollte ich ursprünglich ein Märchenbuch schreiben (das mittlerweile fertig ist). Dabei stellte ich mir die Frage, ob ein Märchen nicht auch mit den Worten „es wird einmal sein“ beginnen kann. Ich habe meiner Frau die ersten Seiten vorgelesen und sie sagte: „Du schreibst kein Märchen, sondern einen Roman.“ Also habe ich statt eines Märchens, einen Roman geschrieben.


Wie viel Wissenschaft steht in Ihrer Fiktion?

Für die Recherche zum Buch durfte ich mit einigen Forschungsteams an der Ost- und Westküste der USA sprechen, die an KI arbeiten. Dazu kommt meine eigene berufliche Arbeit, in der KI schon seit Mitte der 2010er Jahre eine Rolle spielt. Alle Leute, die professionell an der Entwicklung von KI arbeiten, wollen diese autonome KI wie ELIAS entwickeln. Das ist der große Traum. Also ja, in der Fiktion steckt ziemlich viel Wissenschaft.


In „Elias“ geht es auch um menschliche Verantwortung. Sind Sie Optimist, was unsere Zukunft betrifft?

Wir Menschen machen seit den ersten, bekannten, schriftlich festgehaltenen Anfängen (das Gilgamesch-Epos) Generation für Generation mehr oder weniger die gleichen Fehler (Krieg, Hass, Vertreibung, Neid, etc.) und wir machen Generation für Generation die gleichen schönen Dinge (Liebe, Mitgefühl, Freundschaft, einen Sonnenaufgang betrachten ...). Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch in 100 Jahren so machen werden. Doch gebe ich in meinem Roman ja auch einen Ausblick, wie man unsere Gesellschaft anders gestalten könnte ...


Ihr Stil ist sehr filmisch. Haben Sie ein visuelles Denken beim Schreiben?

Ich wuchs mit drei jüngeren Brüdern und einer Schwester auf. Abends, nachdem wir zu Bett gegangen sind, haben wir Jungs uns im Dunkeln, bis zum Einschlafen, Geschichten erzählt, meist inspiriert von Filmen und Büchern oder einfach von der eigenen Fantasie. Kopfbilder sind beim Schreiben sehr wichtig für mich, jede Szene oder Passage muss "verfilmbar" sein, dann funktioniert sie auch.


Wie schwierig ist es, als Autor glaubhaft über Themen wie Quantenphysik, KI und über Dinge zu schreiben, die es noch nicht gibt?

Wenn man eine Geschichte schreibt, muss man sich nach meinem Verständnis mit deren Rahmenbedingungen beschäftigen. Nach heutigem Verständnis wird die autonome KI (wie ELIAS oder LILITH) mit größerer Wahrscheinlichkeit auf einem Quantencomputer laufen, oder mit einer Kombination aus heutigem Computer und Quantencomputer. Wenn man das weiß, ist der nächste Schritt – was wäre wenn – ganz einfach. Ich wusste von Anfang an, dass ich eine KI wie ELIAS erschaffen wollte. Und LILITH ist die konsequente Gegenspielerin ... Passt ja zu einem Märchen.

 

Die Schnellfragen – bitte in einem Wort:

Mensch oder Maschine? Mensch

Hoffnung oder Skepsis? Skepsis

Buch oder iPad? iPad

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