Kunst und Kosmos – Helmut Wörner im Interview zu „Die Ordnung der Welt“
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Mit seinem Buch widmet sich Helmut Wörner einem fast vergessenen Künstler des 17. Jahrhunderts: Joachim Georg Creuzfelder. Das Werk verbindet kunsthistorische Forschung mit der Frage nach der Ordnung der Welt. Ein Gespräch über Barock, Theologie und den heutigen Blick auf die Kunst vergangener Jahrhunderte.
Herr Wörner, was war der Moment, in dem Sie wussten: Über Joachim Georg Creuzfelder müssen Sie ein Buch schreiben?
Der Ausgangspunkt waren Fragen über Fragen. Ich arbeite im Archiv und da kamen Leute, die nach diesem Maler und seinen Bildern fragten. Und die Antworten darauf, die schlummerten im Archiv. Ein Buch wollte ich gar nicht schreiben. Eigentlich hat mich nur der Forscherdrang übermannt, was man alles rauskriegen kann.
Die Kirchberger Decke zeigt ein komplexes barockes Weltbild. Welche Erkenntnis hat Sie bei der Arbeit daran am meisten überrascht?
Zum Buch wurde das Ganze erst durch die Kirchberger Decke. Hier ging es darum, einer verschlüsselten Geschichte auf die Spur zu kommen. Und der Schlüssel, das ist die Ordnung der Welt.
Ihr Buch trägt den Titel „Die Ordnung der Welt“. Wie viel Philosophie steckt für Sie in dieser Malerei?
Es gibt eine festgelegte gute Ordnung dieser Welt. Alles und jeder hat darin seinen Platz und seine Aufgabe. Ein radikaler Gegenentwurf zu allem, was wir heute sehen!
Sie haben tief in Archiven geforscht. Was war der schwierigste oder vielleicht schönste Fundmoment?
Nachdem nicht der geringste Hinweis zur Entstehung der Langenburger Altarbilder zu finden war, war es schon etwas Besonderes, auf einem Abrechnungszettel des Schreiners Hans Wilhelm Vogt zu lesen, was er für einen Gulden gemacht hatte, nämlich drei Tafeln zu dem Altar für den Creuzfelder, auf die dieser das Tuch zog, auf dem er die Gemälde verfertigte.
Inwiefern lässt sich die Kunst Creuzfelders auf unsere Gegenwart übertragen?
Ich würde sagen, er hat sein Handwerk verstanden und konnte stolz darauf sein.
Gab es während des Schreibens Momente des Zweifelns?
Viele, und immer dieselben: Wo gehts nach Osten und wo nach Westen, wenn die Bilder umgekehrt an der Decke hängen!?


